Finanziell unabhängig

Raus aus dem Elternhaus und Party ohne Ende! Mit der Volljährigkeit beginnt die Zeit des Auslotens von Grenzen, des „Auf-die-Fresse-Fallens“ und des Wiederaufstehens. Wer will sich da schon mit Finanzen beschäftigen? Doch um die Freiheit uneingeschränkt genießen zu können, müssen auch die finanziellen Aspekte berücksichtigt werden. Was es damit auf sich hat, werden wir hier erklären.

Den ersten Kontakt mit Geld bzw. Finanzen haben wir alle höchstwahrscheinlich bereits als Kind gehabt, etwa beim Einkauf mit den Eltern im Supermarkt oder mit dem Taschengeld. Trotzdem fühlen sich die meisten Jugendlichen unsicher, wenn es ums Thema Finanzen geht – viele geben an zu wenig darüber zu wissen. Wir bringen Licht in den Finanz-Dschungel!

Im Podcast sprechen unsere Finanzexperten darüber, was man mit der Volljährigkeit bei Finanzthemen beachten muss. Ralf Warias, Andreas Wehmeier und Julia Fresen sprechen dazu mit Frank Segref im Beratungszentrum Attendorn.
Im Podcast sprechen unsere Finanzexperten darüber, was man mit der Volljährigkeit bei Finanzthemen beachten muss. Ralf Warias, Andreas Wehmeier und Julia Fresen sprechen dazu mit Frank Segref im Beratungszentrum Attendorn.
Das ändert sich mit der Volljährigkeit

Plötzlich 18! Für viele ein Meilenstein und Grund zur Freude, denn damit wird Freiheit und Unabhängigkeit verbunden. Denn wer 18 Jahre alt ist, kann nun etwa selbst eine Wohnung mieten oder gar kaufen, seine Geldgeschäfte eigenständig regeln, Kredite aufnehmen oder in Fonds investieren.

Gleichzeitig bedeutet Volljährigkeit auch, dass nun die Steuerpflicht greift, etwa die Lohnsteuer. Wobei es ein Grundfreibetrag gibt: Wer etwa weniger als 9.744 Euro im Jahr verdient, bleibt steuerfrei. Bei den meisten Studentenjobs uns so manchen Teilzeitjobs ist dies der Fall.

Apropos Studenten: Solche können im Regelfall bei Ihrer Bank der Wahl ein Studentenkonto eröffnen. Dies hat mehrere Vorteile:

  • es werden keine Gebühren für Kontoführung sowie Giro- und Kreditkarte erhoben,
  • oft ist die International Student Identity Card (ISIC) dabei, mit der Studenten auf der ganzen Welt Vergünstigungen erhalten,
  • es gibt spezielle Dispokredite.

Auch für Auszubildende und Freiwillige im sozialen Jahr oder Wehrdienst bleibt die Führung des Girokontos meist kostenlos.

Da manche bereits ein eigenes Konto haben, stellt sich die Frage, ob bei einer anderen Bank ein Konto eröffnet werden darf. Dies ist möglich und die meisten Banken bieten auch eine kostenlose Kontowechselhilfe an, die viel Papierkram erspart und sehr praktisch ist.

Versicherungen für Volljährige

Die gute Nachricht vorweg: Wer studiert oder in der Ausbildung ist, ist meist weiterhin über seine Eltern mitversichert. Dies betrifft etwa die Kranken- oder die Haftpflichtversicherung. Aber maximal bis zum vollendeten 25. Lebensjahr. Die Mitversicherung ist meistens auch günstiger, als dass die Kinder eine eigene Versicherung abschließen.

Wer nicht mehr über die Eltern versichert ist, benötigt unbedingt eine Krankenversicherung und eine Haftpflichtversicherung. Zusätzlich lohnt es sich, über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachzudenken. Beim Umzug in die eigene Wohnung kann eine Hausratversicherung eine kluge Wahl sein, da mit dieser der gesamte Hausrat vom Sofa über Kochtöpfe bis hin zur Unterhose abgesichert ist. Eine KFZ-Haftpflichtversicherung ist auch sinnvoll – aber nur für jene, die auch tatsächlich regelmäßig mit dem Auto fahren.

Und auch wenn es sich erstmal etwas komisch anhört: Bereits jetzt lohnt es sich, für das Alter vorzusorgen. Denn die staatliche Rente wird wohl für jene nicht ausreichen, die gerade 18 Jahre alt werden. Deshalb gilt: Je früher, desto besser, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Zusätzlich gibt es auch staatliche Förderungen für die Altersvorsorge, etwa bei der Riester-Rente, wo Berufseinsteiger unter 25 Jahren einen einmaligen Bonus von 200 Euro bekommen.

Steuerklärung: Muss das sein?

Wer unter der Grenze des Grundfreibetrags von 9.744 Euro bleibt, muss keine Steuererklärung machen. Also wer als Student einen Nebenjob hat und sich noch im Erststudium befindet, kann gleich zum nächsten Kapitel springen.

Wer sich allerdings im Zweitstudium befindet oder schon eine Ausbildung abgeschlossen hat, der sollte eine Steuerklärung machen, auch wenn er unter dem Grundfreibetrag bleibt. Denn die Kosten für das Zweitstudium, etwa für Bücher, Studiengebühren oder für den Druck von Abschlussarbeiten, können als Werbungskosten abgesetzt werden.

Wer über gar keine Einkünfte verfügt, kann einen Verlustvortrag machen – quasi eine Steuererklärung ohne Einkommen. Das heißt, dass Verluste, die durch das Studium entstehen, in die nächsten Jahre vorgetragen werden können. Ein steuerlicher Verlust entsteht immer dann, wenn die Ausgaben höher sind als die Einnahmen. Und dieser Verlust wird vom Finanzamt als eine Art Steuerbonus vermerkt, der dann eingelöst wird, wenn zum ersten Mal ein Einkommen erzielt wird.

Das Sparbuch wird fällig

Einen Startvorteil im Leben als Volljähriger haben all jene, denen die Eltern, Großeltern oder sonst jemand die vorherigen 18 Jahre lang (oder wie lange auch immer) regelmäßig in ein Sparbuch eingezahlt haben. Denn mit der Volljährigkeit erlischt die Vollmacht derjenigen, die das Konto für einen eröffnet haben – vorausgesetzt das Konto läuft auf den Namen des nun Volljährigen.

Der Volljährige hat nun alleinig Zugriff auf das Geld, muss sich vorher allerdings noch als Kontoinhaber legitimieren. Was mit dem Geld angestellt wird, ist jedem selbst überlassen: Weltreise oder Auto? Heimkinoanlage oder in Fonds investieren? Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

An Bedingungen kann ein Sparbuch nicht geknüpft werden. Dies geht nur bei Schenkungen. Hier können die Schenker dem Beschenkten vorgeben, dass das Geld etwa nur für die Ausbildung vorgesehen ist. In so einem Fall können die Eltern auch etwa eine Geige für den Geigenunterricht des Kindes mit diesem Geld kaufen.

Großen Schrittes in die Unabhängigkeit

Es ist die intensivste, dafür aber auch eine der schönsten Zeiten überhaupt. Erstmals sind die Volljährigen für sich selbst verantwortlich. Und deshalb ist es wichtig, sich bereits Gedanken über die eigenen Finanzen zu machen. Je früher jemand damit beginnt, desto besser ist es. Am Ende lohnt es sich, denn die Freiheit und Unabhängigkeit lässt sich noch mehr genießen, wenn einen keine Finanzsorgen plagen.