Ein gelbes Papierschiffchen vor einem blauen Hintergrund
Nachlass optimal regeln
Ein gelbes Papierschiffchen vor einem blauen Hintergrund

Es ist wohl nicht die schönste Beschäftigung, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Trotzdem ist es wichtig, den eigenen Nachlass zu regeln. Denn damit entscheiden wir selbst, wer uns beerben wird. Warum Sie sich unbedingt mit Ihrem eigenen Nachlass beschäftigen sollten und was Sie alles berücksichtigen müssen, das verraten wir Ihnen hier.

Durch den Nachlass regeln wir, was mit unserem Erbe passiert. Und das ist auch schon der erste wichtige Vorteil: Denn wenn Sie selbst den Nachlass regeln, entscheiden Sie wer Sie beerbt – wobei es immer einen Pflichtteil gibt, von dem Ehegatte und Kinder bzw. Enkelkinder profitieren. Nur unter sehr engen Voraussetzungen ist es möglich jemanden zu enterben, etwa wenn sich ein Pflichtteilsberechtigter eines Verbrechens gegen Sie schuldig gemacht hat.

Sie sind allerdings nicht dazu verpflichtet, Ihren Nachlass zu regeln. Wenn Sie es nicht tun, greift die gesetzliche Erbfolge, mit der der Nachlass unter den Angehörigen aufgeteilt wird: Zunächst Ehegatte, Kinder und Enkelkinder (letztere erben aber nicht, solange die eigenen Kinder noch leben), dann die Eltern und Geschwister und zuletzt Onkel und Tanten.

Testament oder Erbvertrag?

Wenn wir über Nachlass sprechen, dann meinen wir in der Regel das Testament. Es ist das klassischste aller Arten, das Erbe aufzuteilen. Mit dem Testament entscheiden Sie, wer was bekommt. Diese Entscheidung können Sie auch jederzeit widerrufen oder ändern. Das Testament ist einfach, unkompliziert und schnell gemacht.

Daneben gibt es noch den Erbvertrag. Im Unterschied zum Testament müssen in diesem Fall beide Parteien, also sowohl der Erblasser als auch seine Erben, zustimmen. Meistens wird dafür dann eine Gegenleistung erbracht, etwa wenn ein Unternehmen von der Mutter an die Tochter übergeben werden soll mit der Verpflichtung, dass diese Tochter sich verpflichtet im Unternehmen zu arbeiten. Auch für unverheiratete Paare bzw. nicht eingetragene Lebenspartner ist ein Erbvertrag sinnvoll, da sie kein gemeinschaftliches Testament aufsetzen dürfen.

So regeln Sie Ihren Nachlass

Den offensichtlichsten Vorteil, warum Sie Ihren Nachlass selbst regeln sollten, haben wir schon erwähnt, nämlich dass Sie frei entscheiden können, was mit Ihrem Erbe passieren soll. Daneben erledigen Sie sich einer Last, wenn zu Lebzeiten schon alles geregelt ist. Es nimmt Druck aus der Situation und Sie nehmen Ihren Erben Arbeit ab, da sie sich um einige Dinge nicht mehr kümmern müssen. Es ist eine Erleichterung für alle.

Da Erbfälle sehr häufig etwas sehr Emotionales sind, kommt es leider nicht selten zu Streitigkeiten bei den Erben. Die einen fühlen sich nicht oder zu wenig berücksichtigt, während die anderen nicht der Meinung sind übervorteilt worden zu sein. Diesen Aspekt sollten Sie nicht unterschätzen. Mit einem Testament sind Streitigkeiten zwar nicht ausgeschlossen, aber Sie können durch Begründungen festhalten, warum Sie sich so entschieden haben, wie Sie sich entschieden haben.

In dieser Folge des Podcasts „Digital und vor Ort“ der Volksbank Bigge Lenne sprechen Hannah Schmitz, Stephan Hopf und Andre Baumhoff mit Frank Segref darüber, was man beim Regeln des Nachlasses beachten muss.

Alles in Eigenregie oder lieber mit Notar?

Das führt uns direkt zu dem Punkt, wie Sie Ihren Nachlass richtig regeln. Denn damit Ihr Testament verbindlich ist, reicht es nicht ein paar Zeilen auf dem Rechner zu schreiben und am Ende zu unterschreiben. Ein privatschriftliches Testament muss von der ersten bis zur letzten Zeile per Hand angefertigt sein, damit es Gültigkeit erlangt.

Sie können das Testament allerdings auch mithilfe eines Notars erstellen. Das Testament wird anschließend beim Amtsgericht hinterlegt und dort verwahrt. Dies ist allerdings mit Kosten verbunden: Sowohl der Notar lässt sich vergüten und die Hinterlegung beim Amtsgericht, etwa im Amtsgericht Schmallenberg, kostet Sie einmalig 75 Euro.

Alternativ können Sie das Testament auch einer vertrauenswürdigen Person zum Aufbewahren geben oder in ein Bankschließfach legen. Bei letzterem dürfen Sie nicht vergessen, jemanden mit einer Vollmacht auszustatten, damit dieser im Todesfall das Schließfach öffnen kann.

Das müssen Sie beim Regeln des Nachlasses berücksichtigen

Das Testament soll so klar und deutlich wie nur möglich formuliert sein, damit es auch jeder versteht und es keinen Interpretationsspielraum gibt. Vermeiden Sie deshalb Formulierungen wie „Meine Kinder sollen mein Vermögen erben“. Besser ist es jedes Kind einzeln zu nennen und genau festzulegen, was und wie viel das jeweilige Kind erben soll, etwa „Johanna bekommt meinen Oldtimer, Peter meine Weinsammlung und Sofia meine Wohnung.“

Unbedingt beachten sollten Sie den Pflichtteil, der Ihrem Ehepartner und den Kindern zusteht. Gegebenenfalls ist es ratsam, sich fachliche Unterstützung für das Regeln des Nachlasses zu holen, etwa einen Fachanwalt für Erbrecht, einen Notar oder einen Steuerberater.

Der digitale Nachlass: Was passiert damit?

Beim digitalen Nachlass regeln Sie, was mit Ihrem digitalen Fußabdruck passiert bzw. wie mit Ihren Online-Accounts umgegangen werden soll. Dabei setzen Sie eine vertrauenswürdige Person Ihrer Wahl ein, die sich um Ihr digitales Erbe kümmern soll. Idealerweise bevollmächtigen Sie eine einzige Person damit und halten dies auch schriftlich fest. Außerdem sollten Sie vorab eine Liste der einzelnen Konten inklusive Benutzernamen und Passwörter erstellen, damit der Bevollmächtigte auch Zugang zu den Accounts hat. Diese Liste sollten Sie immer aktuell halten.

Wichtig ist, dass Sie festlegen, was mit Ihren persönlichen Daten passiert, also etwa Fotos auf Ihren Social Media-Accounts oder Ihrem eigenen Blog oder Website. Dies betrifft aber auch Daten auf Ihrem Rechner, Smartphone oder Tablet. Geben Sie an, wie der Bevollmächtigte damit umgehen soll.

Wenn Sie Ihren digitalen Nachlass nicht selbst regeln, dann müssen die Erben selbst aktiv werden. Das geht zwar auch, ist allerdings aufwendiger, da beispielsweise jede Social Media-Plattform ihre eigenen Regeln hat, wie in einem Todesfall verfahren wird. Bei Facebook kann etwa die Löschung des Accounts gefordert werden, dafür ist allerdings ein Nachweis erforderlich. Bei Xing wiederum erhalten rechtliche Erben Zugang zum Profil des Verstorben, müssen dafür aber eine Kopie des Erbscheins vorweisen und sich ausweisen.

Auch bei E-Mail-Konten hängt das Verfahren nach dem Ableben des Nutzers vom Anbieter ab. Während GMX oder web.de Anmeldedaten nach Vorlage eines Erbscheins offenlegt, können Erben bei Yahoo lediglich die Löschung des Kontos beantragen.

Vollmachten und Verfügungen

Zwar gehört das nicht unmittelbar zum Nachlass selbst, doch sollten Sie sich auch über folgende Aspekte Gedanken machen: Bankvollmacht, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Warum? Es kann immer sein, dass Sie in einer Situation etwas nicht selbst regeln können, etwa nach einem schweren Unfall oder wenn Sie es sich altersbedingt nicht mehr zutrauen, Ihre Finanzen alleine zu regeln.

Bankvollmacht für Ihre Bankgeschäfte

Eine Bankvollmacht gewähren Sie am besten schon bevor Sie diese tatsächlich brauchen. Mit dieser bevollmächtigen Sie eine Vertrauensperson Bankgeschäfte in Ihrem Namen zu erledigen. Diese Vollmacht kann entweder unbegrenzt, also über den Tod hinaus, gültig sein oder bei Eintritt gewisser Umstände, etwa bei Pflegebedürftigkeit. Die Vollmacht können Sie aber jederzeit widerrufen.

Diese Vollmacht können Sie selbst schreiben oder auch bei Ihrer Bank das entsprechende Formular anfordern. Über den Inhalt entscheiden Sie selbst, aber Sie sollten so genau und detailliert wie möglich hineinschreiben, was die Vertrauensperson tatsächlich machen darf. So können Sie den Bevollmächtigten anweisen, dass er jeden Monat bis zu 200 Euro abheben darf, dass er die Miete für Ihre Wohnung an Ihren Vermieter überweisen soll, oder dass die Vollmacht nur das Girokonto betrifft.

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht für den gesundheitlichen Notfall

Eine Patientenverfügung ist einem Testament nicht unähnlich: Damit entscheiden Sie selbst, was in einem Notfall mit Ihnen passieren soll. Mit der Patientenverfügung stellen Sie also sicher, dass z.B. ein Arzt Ihren Behandlungswillen kennt, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind diesen zu äußern. Auch wenn es nicht erforderlich ist, ist eine notarielle Beurkundung oder eine Mitunterzeichnung durch einen Zeugen ratsam, damit auch niemand die Patientenverfügung beanstanden kann.

Wo Sie die Verfügung aufbewahren, ist Ihnen überlassen. Allerdings sollten Sie dafür Sorge tragen, dass die Patientenverfügung im Ernstfall tatsächlich gefunden wird. Wenn Sie sie also zu Hause aufbewahren, sollte wenigstens eine Person wissen, wo sie zu finden ist. Am besten informieren Sie auch Ihren Hausarzt darüber, wenn dieser Sie nicht ohnehin beim Verfassen der Patientenverfügung beraten hat.

Während Sie bei der Patientenverfügung selbst entscheiden, was passiert, lagern Sie die Entscheidungsgewalt mit einer Vorsorgevollmacht aus. In diesem Fall statten Sie eine Vertrauensperson mit einer Vollmacht aus, die dann für Sie entscheidet, wenn Sie nicht mehr selbst dazu in der Lage sind.

Nachlass regeln und Vorsorge sichern

Es gibt also gute Gründe, warum Sie für den Ernstfall vorsorgen sollen. Wenn Sie Ihren Nachlass selbst regeln, entscheiden Sie was mit Ihrem Erbe passiert. Gleichzeitig beugen Sie mögliche Streitigkeiten unter den Erben vor, da Ihr letzter Wille berücksichtigt werden muss.

Zwar nicht direkt davon betroffen, aber dennoch wichtig, sind die Bankvollmacht und Patientenverfügung bzw. Vorsorgevollmacht. Bei ersteren beauftragen Sie eine Person damit, Ihre Bankgeschäfte zu erledigen, wenn Sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind. Bei letzterem verfügen Sie entweder selbst darüber, welche Behandlungen Sie im Notfall wünschen, oder Sie lagern diese Entscheidungsgewalt an eine Vertrauensperson aus.